Reisebericht Sylt - Juni 2026
7.6.2026 – bis zum Dümmer
Dies wird seit 10 Jahren der erste Urlaub ohne unseren Sonnenschein Gina, den wir am 29.5. ins „Hundeparadies am Ende des Regenbogens“ gehen lassen mussten. Ein schwerer Schlag für uns und es wird noch lange ständig Situationen geben, die uns an sie erinnern werden. Der gestrige Packtag war für mich schon ein ziemlicher Angang. Kein Hund der unruhig wird, weil irgendwas im Busch ist, keine Schnüffelnase die schaut, was wir an Hundeleckerchen mitnehmen. Es ist klar: Gina wird uns auch auf dieser Reise in gewisser Weise begleiten.
Eigentlich war der gestrige Samstag für die Abreise vorgesehen, aber alles ging nicht so leicht von der Hand und so ging es erst heute los. Kein Problem, denn erst am 11.6. geht unsere Fähre von Rømø nach Sylt, also immer noch genug Zeit für eine entspannte Anreise.
Die Startroute musste ich leicht anpassen, da wir jetzt nicht mehr im Essener Norden, sondern ganz im Süden in Heidhausen wohnen. Dem Navi folgend ging es über die A52 und A40 bis Bochum, dort ein paar Kilometer durch die Stadt und … zack … das erste Foto des Urlaubs. Diese Abkürzung zur A43 wurde kürzlich auf 30km/h heruntergeregelt, was ich nicht wusste, das Navi auch nicht und so war ich direkt nach der Abfahrt von der A40 etwa 15km/h zu schnell und war völlig perplex, als es plötzlich blitzte.
Die weitere Fahrt zum Dümmer war unproblematisch, für die uns entgegenkommenden Reisenden des langen Wochenendes aber absolut nicht. Gefühlt Stau von Osnabrück bis Münster.
Der erste Etappenplatz hier in Dümmerlohausen hat bei uns schon Tradition und das leckere Essen bei Aal-Hoffmann auch. Mein Teller sah heute genauso aus wie auf dem Foto, allerdings fehlte die Hundenase, die auf die leckere Mittelgräte des Aals wartet.
Ich habe mir dann auf einem (zu) langen Spaziergang das Vogelkonzert auf dem Dümmerdeich angehört und gesehen, dass die Fischadler inzwischen auf einem ziemlich mächtigen Horst brüten.
8.6.2026 – Ochsenmoor – Wischhafen
Das Ochsenmoor westlich des Dümmers wird seit Jahren renaturiert, in dem die Abzugsgräben geschlossen und der Wasserstand reguliert wird. Ein Paradies für Wasser- und Watvögel … und für Ornithologen.
Unsere heutige Exkursion vor der Weiterfahrt galt aber zwei Vogelarten, die an den letzten Tagen hier gemeldet wurden: Zwergsumpfhuhn und Rallenreiher. Viele Autos und Ornithologen zeigten deutlich an, wo das Zwergsumpfhuhn gesucht wurde. Kein Parkplatz für mein Wohnmobil und im Vorbeifahren auch keine Beobachtung. Im Netz wurde der Vogel 20 Minuten später wieder gemeldet.
Beim Rallenreiher hatte ich mehr Glück. Ein moorastiger Weg (siehe Fotoseite) führte zum Aussichtsturm im Ochsenmoor und dort hatten einige Ornithologen ihre Spektive auf den in Deutschland seltenen Vogel ausgerichtet. Dank ihrer Vorarbeit wurde der Rallenreiher die Art 288 in meiner Liste der von mir in Deutschland gesehenen Vögel. Mit Fernglas und Fotoapparat hätte ich keine Chance gehabt.
Apropos Fotoapparat: nach einem Absturz meiner alten Lumix habe ich jetzt eine Kamera ohne Sucher und im Taschenformat. Mal schauen, ob ich es irgendwann schaffe, damit halbwegs vernünftige Fotos zu schießen. Selbst der sehr kooperative Schilfrohrsänger ist nicht wirklich scharf getroffen.
Jetzt stehen wir auf dem Stellplatz am Fähranleger Wischhafen, haben im Imbiss nebenan gut gegessen und … es regnet sich ein.
9.6.2026 – Glückstadt – Heide – Reußenköge
Die Schlange an der Fähre nach Glückstadt am Morgen war so moderat, dass wir gleich mit der ersten mitfahren konnten. Wir hatten es nicht geglaubt, aber es war erstaunlich, wie viele LKW, Wohnmobile und PKW auf eine Fähre passen. Uns kostete die Überfahrt 37,50€, allemal besser als die Fahrt durch das Hamburger Nadelöhr.
Frühstück bei Edeka Frauen in Glückstadt *, Einkauf bei Camping Berger in Heide und jetzt stehen wir wieder in den Reußenkögen am Amsinck-Haus. 12€ für den Stellplatz direkt am Deich und 3€ für Strom, dazu saubere Toiletten und sehr nettes Betreuungspersonal in der Ausstellung des Hauses … eine absolute Empfehlung von uns. Und wer mag fährt mit dem Rad hinaus zur Hamburger Hallig mit dem Halligkrug, der heute allerdings geschlossen ist.
Es bläst ein frischer Wind und das Wetter sollte man überhaupt im Auge behalten. Aber wir sind endlich mal wieder am Meer.
*Um 11:48Uhr habe ich in Heide getankt – 1,789€ pro Liter Diesel. Die Bedienung wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass der Preis in 10 Minuten um 23 Cent steigt. Wie sagte sie so schön: „Hier ist um 12 Uhr immer Wildwest!“ Wir hatten auf den ersten 500km einen Durchschnittsverbrauch von 9,5l. Genial!
10.6.2026 – Stellplatz Oase Rømø
Einer windigen Nacht folgte ein stürmischer Morgen. Die Temperatur war im Womo auf 13,9° Grad gesunken und so war Elke froh, dass ich kurz nach 6Uhr aufgestanden bin und sie auch noch mit meiner Decke zudecken konnte.
Trotz der böigen Winde habe ich einen kurzen Gang auf den Deich gewagt, um die Hamburger Hallig im Morgenlicht zu fotografieren. Eine frische Angelegenheit, aber stimmungsvoll. Auf dem Vogelwärterhaus (auf dem Foto links und auf der Fotoseite!) hätte ich auch gerne mal „Dienst geschoben“. Das spätere Unwetter zog bei der Gelegenheit auch schon auf.
Wir haben uns auf dem schönen Stellplatz am Amsinck-Haus alle Zeit für den Start gelassen und dann ging´s ab in Richtung Dänemark. Inclusive Wolkenbruch auf der Strecke.
Auf einer seeehr schmalen Straße haben wir die Grenze nach Dänemark überfahren. Auf der Rückfahrt werde ich eine andere Strecke wählen. Elke wird es mir danken.
Erschreckend wenige Vögel rechts und links des Dammes, der nach Rømø führt. Und auf der Insel, die ja irgendwie gar keine ist, wäre ich gerne dem Tipp gefolgt, auf den offiziellen Autostrand zu fahren, aber Elke wollte nicht. Sie meinte, dass wir ja im Urlaub noch Strand genug hätten. Aber mir war klar, sie wollte nicht, dass ich eine kesse Runde über den Strand drehe.
Der ausgeguckte Stellplatz „Oase Rømø“ ist absolut propper. Aber er dient ja nur als letzte Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Sylt. Morgen um 13:30Uhr geht´s mit der Fähre nach Sylt. Und dann ist erstmal Reisepause.
Noch dies: hier und heute war Bütterchentag. In den letzten Jahren gehörte der letzte Bissen jeder Schnitte Gina und wenn etwas herunterfiel, war die Hundezunge mit schnellen Schlag da. Jetzt müssen wir alles selber essen und was uns aus den Fingern fällt ist Müll.
11.6.2026 – von Rømø nach Sylt
Die Nacht war wieder regenreich und ich war schon sicher, dass es wieder nix wird, mit einer Überfahrt auf Deck der Fähre nach Sylt. Aber bis Elke aufgestanden war, hatten sich die Wolken verzogen und die Sonne kam raus.
Nach dem Auschecken auf dem Stellplatz „Oase Rømø“ kennen wir nun den Gesamtpreis für die Übernachtung incl. Strom: 33,47€. Der Platz ist schön, aber einen längeren Aufenthalt würde ich mir sehr überlegen.
Als wir (als erste) im Hafen von Havneby ankamen, wurde ich von der jungen Frau an der Kasse mit den Worten begrüßt: „Da kommt der Uwe“. Wir haben nicht schlecht gestaunt. Naja, bei meiner Buchung hatte ich natürlich die Autonummer angegeben. Trotzdem nett! Wir kamen zwar nicht zuerst auf die Fähre – standen dann aber ganz vorne in der Mitte und fuhren (nach den Fahrradfahrern und Fußgängern) als erstes Auto im Lister Hafen von Bord. Für die Fahrt über die Insel bis zum Campingplatz am Rantumer Becken ein Vorteil: der starke Verkehr war immer hinter uns.
Die Überfahrt dauerte 40 Minuten, das Meer war ruhig und es gab ein paar schöne Blicke. Schaut mal auf die Fotoseite. Heute konnte ich tatsächlich den Wind an Deck genießen. Elke, die Wind ja nicht wirklich mag, saß gemütlich im Passagierraum und beobachtete die Überfahrt durch die großen Fenster. Vor List lag das Kreuzfahrtschiff HANSEATIC spirit und die Passagiere wurden für den Landgang ausgebootet.
Jetzt stehen wir auf dem Campingplatz Rantum und freuen uns auf zwei ruhige Wochen. Das erste Essen im Restaurant „Tō Gao“ am Platzeingang war ausgezeichnet. Schon die Tatsache, dass Elke ohne weiteres eine Kinderportion bekam, als sie sagte, dass sie nicht so viel essen kann, hat uns gefreut. Für mich gab es perfekt kross gebratene Entenstücke auf wunderbar bissfestem Gemüse. Die freundliche Bedienung sieht uns sicher noch mehrfach.
Zum Tagesabschluss haben wir noch ein paar Minuten auf das Rantumbecken geschaut. Ein Rohrweihenmännchen flog über das große Schilffeld, wollte sich aber nicht fotografieren lassen. Ansonsten haben wir das Gefühl, dass die Vogelwelt sich derzeit sehr ruhig verhält. Die Natur ringsum gilt es in den nächsten zwei Wochen zu erkunden.
12.6.2026 – Kaffeerösterei und Leckereien
Das Wetter war heute nichts für eine größere Tour und aufgrund des Windes schon mal gar nix für Elke. Ich bin zumindest mal ein Stückchen am Rantumbecken entlanggegangen.
Zum Glück habe ich meist einen 20€ - Schein im Handy, denn das Portemonnaie hatte ich nicht am Mann. Im Hafen von Rantum gibt es eine Kaffeerösterei mit Cafébetrieb und ganz ausgezeichneten Torten und Kuchen. So war es nicht schlimm, dass ich eine plötzliche Schwächung/Unterzuckerung hatte, denn so konnte ich dem Übel gleich abhelfen. Es war so gut, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie es sich langsam einregnete. Erst als tropfende Wanderer hereinkamen wurde mir klar, dass ich für einen Rückweg im Regen gar nicht richtig angezogen war. Es war dann aber nicht so wild und im Wohnmobil kann man sich ja gleich trockenlegen.
Auf der Fotoseite ist auch eine Kartoffelrosenblüte zu sehen. Eine Charakterpflanze der Insel. In Essen hatten wir gelesen, dass die Hundsrosen beliebte Futterpflanzen für die Raupen des Goldafterspinners sind, die ähnlich den Prozessionsspinnern giftige Brennhaare besitzen. Für Sylt gab es Warnungen, gerade auch für den Bereich des Rantumbeckens. Insbesondere auch eine Gefahr für Hunde und tatsächlich hätten wir wegen Gina die Reise fast schon abgesagt. Aber dann hat unsere Süße uns ja verlassen.
Es sind einige Hunde auf dem Platz und ich denke, die Besitzer kennen die Problematik nicht. Allerdings habe ich bisher auch keine Raupen oder ihre Gespinstnester gesehen. Im Gegensatz zu anderen Schmetterlingen ist der Schlupf der Raupen beim Goldafter überwiegend in Juli und August. Trotzdem: die Brennhaare sind jahrelang wirksam.
Auf einer Nachbarparzelle kam mir eine Bachstelze vor die Linse, bei der ich kurz den Verdacht hatte, es sei eine Trauerbachstelze. Das Foto ist nicht eindeutig, aber vielleicht erwische ich sie ja noch einmal. Bei List wurde gestern eine gemeldet, ist also nicht ausgeschlossen.
An den nächsten Tagen soll das Wetter besser werden und zum Glück nicht so heiß wie in der Heimat. Elke ist guten Mutes, dann auch mit mir zum Strand zu gehen. Heute war einfach Ruhetag!
13.6.2026 – auf zum Strand
Elke hat der böige Wind den Atem genommen und den Mut, heute mit an den Strand zu gehen. Also bin ich alleine los und jawoll … es blies eine frische Brise, wie man auf den Fotos sehen kann. Es waren nur wenige Leute am Strand und doch war der Turm der DLRG besetzt. Wohl auch wegen der Leute, die die Möglichkeit der Strandsauna nutzen wollten und dann zur Abkühlung in die Nordsee hopsen wollen. Tatsächlich war die gelbe Fahne der DLRG gehisst, also Baden mit Vorsicht erlaubt. Allerdings wurde gleich auf mehreren Schildern vor den Gefahren der Unterströmung gewarnt. Die Surfer, die zum Strand kamen als ich schon auf dem Rückweg war, kennen dieses Problem sicher.
Dort wo der Dünenweg vom Campingplatz ans Wasser kommt ist der Hundestrand. Es war nur ein junger Hund da, der erstmal anständig Gas gab und dann versuchte, sich in den Sand einzubuddeln. Gina hätte in jungen Jahren ihren Spaß daran gehabt. Mir trieb es heute ein Tränchen ins Auge.
Auf Sylt gibt es wohl in diesen Tagen ein Treffen der Harley-Davidson-Fahrer. Ein paar sind hier auf dem Campingplatz (Lärm genug), aber es fuhren heute mehrfach gefühlte 100 die Inselstraße rauf und runter. Auch wenn ich, im Gegensatz zu Elke, den Sound mag, bei der dritten Vorbeifahrt fand ich auch, dass es jetzt mal gut sein muss.
Am heimischen Herd gab es heute Biogulasch von den Heckrindern aus den Münsteraner Rieselfeldern, die mein Bruder Jörg uns dankenswerterweise als Reiseproviant mitgegeben hat. Lecker!
14.6.2026 – Ruhetag am Platz
Heute wird es kurz: es war bisher der Tag mit den kräftigsten Böen und kurzen, heftigen Regengüssen. Perfekt für einen ruhigen Tag am Platz, an dem auch das innere des Womos etwas besser in Form gebracht werden konnte. Mehrfach musste ich die Abdeckplane der Frontscheibe sichern, denn die Klettverschlüsse löste der Wind ohne Probleme. Weggeflogen ist aber nichts.
Am Nachmittag haben wir eine Regenpause genutzt um den Kilometer zum Restaurant Mare zu laufen. Gute italienische Küche und eine nette Bedienung, die uns mit den Worten begrüßte: „Was kann man an einem solchen Tag besseres tun als gut zu essen und zu trinken?“ Haben wir beherzigt.
Auf dem Rückweg sahen wir Grüppchen, die zum „Rudelgucken“ des ersten Spiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao in der Sylt-Quelle unterwegs waren. Auch in einem der benachbarten Vorzelte auf dem Campingplatz hatte sich eine Truppe unter einer großen Deutschlandfahne und vor einem mächtigen Fernseher versammelt. Wir haben uns das letztlich souveräne 7:1 im eigenen „Wohnzimmer“ angesehen.
15.6.2026 – Strandwanderung nach Westerland
Auch in der letzten Nacht hat es mächtig geblasen. Elke zog sich energisch die Decke über die Nase, nachdem ich aufgestanden war.
Für mich war die Planung: Wanderung am Strand nach Westerland. Wie gesagt: es blies nicht schlecht. Die winddichte Jacke war angesagt. Und in den Taschen … ganz viele Kottüten für Hunde. Auf dem Weg zum Strand traf ich einen Hundebesitzer, dem ich, zu seiner eigenen Überraschung, die Tüten geschenkt habe.
Auf dem Weg nach Westerland passierte ich zwei Hundestrände. Jeweils mit zwei (!) Hunden. Die jeweils größeren (ein Kangal-Mischling und ein Rhodesian Ridgeback) tobten kläffend auf mich zu und ich dachte, es gibt Menschen, die dies gar nicht haben können. Und jawoll: die Besitzer sollten solch großen Hunde im Griff haben.
Am Strand tausende Quallen, viele Kalkpanzer von Tintenfischen und … zwei tote Basstölpel. Später las ich, dass nach dem Sturm der letzten Tage an der Küste einige tote Vögel an die Strände von Schleswig-Holstein angespült wurden. Stammen wahrscheinlich aus der Brutkolonie auf Helgoland.
5km am Strand, tiefer Sand und Gegenwind … eine echte Aufgabe. Zwergseeschwalben als Verzierung, aber nicht zu fotografieren. Die Nordsee war kurz vor Tollwut: Schaum vor dem Spülsaum.
Heute war an den Stränden die rote Fahne gehisst, was heißt: Badeverbot. Die Surfer, die trotzdem aufs Brett wollten, mussten sich bei der DLRG-Aufsicht anmelden.
Eines der ersten Autos, den ich in Westerland gesehen habe, war ein schwarz-goldener Rolls-Royce vor „Gosch“ geparkt. Die Lokale in der Fußgängerzone waren sehr gut besetzt. Nur die Außenplätze im Wind blieben leer.
Ich habe, das wird viele nicht verwundern, eine Schraube locker. Hier meine ich aber meine Brille aus der mir innerhalb kürzester Zeit zweimal ein Glas herausgefallen ist. Die winzige Schraube, meine Arthrosefinger und die fehlende Brille auf der Nase … eine ganz schlechte Kombination. Der einzige Optikerladen den ich in der Fußgängerzone fand war eine Fielmannfiliale. Lob und Anerkennung: die freundliche Optikerin kümmerte sich sofort, setzte das Schräubchen mit einem speziellen Lack wieder fest, ersetzte gleich auch die Nasenpolster und nachdem auch das Salz der Brandung von der Brille entfernt war, konnte ich wieder perfekt sehen. Bezahlen musste ich nix, habe aber ein Scheinchen in die Kaffeekasse gesteckt. Kommentar: „Das ist aber lieb von ihnen.“ Nett!
Einkaufen bei Edeka in Westerland war angesagt. Dann mit einem seeehr schweren Rucksack und einem Sixpack Flens auf zum Bus. Den Fahrpreis von 3,50€ hatte ich abgezählt in der freien Hand. Eine schlecht gelaunte Busfahrerin sagte: „Bargeld geht gar nicht und wenn sie keine Kreditkarte haben, buchen sie draußen!“ Genau: Seit dem 1.6.2026 ist Bargeld aus – es sei denn, der Kartenleser funktioniert nicht. Hat der Fahrgast dann kein Bargeld, wird er nicht befördert. Bescheuert, oder?
Am Abend ließ der Wind nach und Elke wacht in gewisser Weise auf: „Was ist das schön … diese Ruhe!“
16.6.2026 – viel Schlaf und die Butenplätze
Das hätte es in den letzten Jahren nicht gegeben: als ich das erste Mal richtig wach wurde, war es 10:30Uhr. Gegen 9Uhr hätte Gina angefangen mit uns zu „sprechen“. Nicht weil sie raus musste, sondern sie wollte Gesellschaft. Stand ich auf, war ihre erste Aufgabe des Tages erledigt und sie konnte weiterschlafen.
Heute konnten wir nach dem späten Frühstück gleich mit dem Mittagsschlaf weitermachen und so begann der aktive Teil des Tages erst gegen 15Uhr. Kaum hatte ich die Markise draußen und den seitlichen Windfang montiert kam die Sonne raus und Elke … auch. Jetzt beginnt dieser Teil des Campinglebens, gerne bis zur Abfahrt.
Trotz (oder wegen) der vielen Schlaferei konnten wir uns nicht aufraffen, irgendwo essen zu gehen. So kochte ich unsere letzten Drillinge und es gab Pellkartoffeln mit Sahnehering, den Vorräten sei Dank.
Morgen will Elke mit zum Strand. Am Wetter wird es nicht scheitern.
17.6.2026 – Ein Satz mit X …
… das war wohl nix. Hatte mein persönlicher Wetterfrosch nicht davon gesprochen, dass es ab Dienstag besser wird?!? Oder war die Ansage nicht ab … sondern am …? Jedenfalls wurde es mit dem für den Nachmittag vorgesehenen Strandspaziergang nix, weil es zu regnen begann und zwar ausdauernd. Also doch das Wetter!
Hoffentlich wird es ab morgen wirklich besser, denn ich habe mir bis Dienstag ein Fahrrad geliehen. Ich glaube fest an trockene Tage, an denen die 16° von heute gerne übertroffen werden dürfen. Okay, die angekündigte Hitzewelle für die Heimat wollen wir nicht, aber so an die 13° wäre schon nett.
Heute Morgen entdeckte ich dann doch die ersten Gespinstnester am Hauptweg des Campingplatzes. Ob sie die gefürchteten Raupen des Goldafters enthalten, konnte ich nicht erkennen. Auf dem Foto habe ich rechts den männlichen Falter und eine Raupe einmontiert. Die Nester werde ich morgen bei der Rezeption melden und ich hoffe, man wird zum Wohle von Mensch und Tier reagieren.
Ein Kritikpunkt ist das Sanitärgebäude. Äußerlich propper, ist es im Inneren nicht wirklich altersgerecht. Die Klos sind sehr niedrig und es gibt in keiner Weise irgendeine Aufstehhilfe. Und in den Duschen gibt es außerhalb der eigentlichen Duschkabine keine Möglichkeit sich hinzusetzen, um die Schuhe anzuziehen oder auszuruhen. Auch dies werde ich morgen bei der Rezeption anmerken.
Nachmittags noch mal zum Asiaten Tō Gao am Platz. Ein weiteres Foto mit Elkes Spezialgetränk Cranberrysaft mit asiatischem Bier auf der Fotoseite.
Am Abend haben wir uns das Spiel Portugal gegen die Demokratische Republik Kongo angesehen. Ein überraschendes 1:1. Wie schon so oft musste die portugiesische Mannschaft für den „Nationalhelden“ Ronaldo mitarbeiten. Eigentlich hätte er frühzeitig ausgewechselt werden müssen … aber wer traut sich das?
18.6.2026 – Rantumbecken und Westerland
Elke begann den Tag mit dem Satz; „Die Donnerstage sind immer besonders schlimm!“ Heute vor drei Wochen mussten wir unser Mäuschen zum letzten Mal in die Tierklinik bringen, wo es dann kurz nach Mitternacht zu Ende ging. So ist es auch für mich. Trotz des schwermütigen Startes wurde der heutige Tag für uns beide aber doch noch gut.
Jetzt habe ich ein E-Bike für 6 Tage gemietet für 150€. Und nach dem Frühstück bin ich für eine Runde um das Rantumbecken gefahren. Löffler, Seeschwalben, Säbelschnäbler und weitere Arten waren die Würze der Fahrt. Aber ich glaube: auch für mich geht die Zeit des Fahrradfahrens vorbei. Das Sicherheitsgefühl lässt nach!
Weiter ging meine Fahrt nach Keitum, dem schönsten Dorf von Sylt. Reetgedeckte Häuser ohne Ende. Mein erster Gedanke: wenn es hier einmal brennt, hat die Feuerwehr einen Großeinsatz. Es gibt dort wirklich tolle Häuser und viele Touristen. Mich zum Beispiel. ;-)
Mit Elke hatte ich mich am Busbahnhof von Westerland verabredet. Sie kann natürlich auch auf der Insel wegen ihres Schwerbehindertenausweises „G“ die Busse kostenlos nutzen. Ich musste einige Minuten auf Elke warten und sah in dieser Zeit einen dreisten Diebstahl: eine junge Frau ging zügig mit einem Eis im Hörnchen zum Bahnsteig als im Sturzflug und von hinten eine Silbermöwe angeschossen kam und schwupp … das Eis war weg. Kaum war die Möwe mit dem Eis am Boden gelandet, kam eine zweite Möwe, ein kurzes Zanken, die Diebin flog mit dem beschädigten Hörnchen davon und die Eiskugel fiel herunter. Hat aber niemanden getroffen. Später in der Fußgängerzone sahen wir weitere Attacken. Die Möwen saßen auf den Balkonen der Häuser und scannten regelrecht die vorbeigehenden Passanten. Auf jeden Fall einfacher als der Fischfang in der Nordsee.
Erste kleine Pause bei „Wilhelmine“, Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Reaktionen auf die dralle Schönheit waren. Ein älteres Ehepaar deckte die ganze Bandbreite ab: der Mann freute sich wie Bolle, machte mehrere Fotos aus verschiedenen Positionen und seine Frau, die selbst „gut dabei“ war, stand mit verkniffenem Mund kopfschüttelnd daneben. Bei denen gab es sicher später noch Zoff.
An einem Lokal sah ich ein Schild: Kalbsleber mit Kartoffelstampf, Apfelringen und Röstzwiebeln. Elke mag das weder zubereiten noch essen. Das Restaurant für unsere Hauptmahlzeit des Tages war gefunden. So saßen wir in der Fußgängerzone im Schatten (!*) und haben das vielfältig bunte Publikum mit Interesse studiert. Einschließlich der besagten Möwenshow. Überrascht waren wir von den Preisen: Elke hatte Rigatoni mit zweierlei Spargel und ich besagte Leber, zwei große Radler und zwei Linie-Aquavit für 53€. Die Konkurrenzsituation in der Fußgängerzone drückt wohl den Preis, denn die Lokale hier liegen deutlich darüber.
!* An den letzten Tagen habe ich so oft das Wetter bemängelt, heute gab es nichts zu meckern: den ganzen Tag Sonne bei über 20° und schwachem Wind. Auch Elke taut auf!
19.6.2026 – Rantum ist auch schön!
Heute schreibe ich in diesem Urlaub das erste Mal „outdoor“. Und heute haben wir auch das erste Mal draußen gefrühstückt. Bei 25° unter der Markise kein Problem.
Alle Temperaturen, die uns von Freunden und Familie vom „Festland“ übermittelt werden, liegen über 30°. Puh, wer braucht denn sowas. Okay, hier auf dem Platz gibt es einige Camper, die den ganzen Tag in der Sonne liegen. Vereinzelt haben sie schon etwas von Brathähnchen. Naja, wer´s braucht! Ich nicht!!!
Aus meiner geplanten Einkaufstour (leichte Sommerkleidung) nach Westerland wurde heute nix. Die verflixte Verdauung … erst drei Tage nix und dann, mit Unterstützung, das Gegenteil.
Ein kleiner Ausflug in die „City“ von Rantum ging dann aber doch. Auf dem Weg dahin am Deich eine junge Frau, die mit einem der frisch geschorenen Schafe kuschelte (Fotoseite). Anrührend!
Rantum ist auch ein schickes Örtchen mit reetgedeckten Häuschen auf Hügeln … okay, auf Dünen. An der Ortskirche habe ich die Hochzeit des Tages knapp verpasst. Eine Empfehlung aus dem Netz kann ich aber bestätigen: der kleine Laden „Nah & Frisch“ ist wunderbar sortiert und das Personal sehr freundlich. Und endlich habe ich meine erhofften Briefmarken bekommen.Es ist wirklich nur ein Sprung von Rantum zum Campingplatz.
Auf dem Weg mal wieder eine wunderbar gestaltete Trafostation. Krabbenfischer, ein Stückchen Heimat. Diese bemalten Stromstationen sind, nach meinem Gefühl, eine norddeutsche Spezialität. Bitte gerne überall – lasst Deutschland auch diesbezüglich bunter werden!
20.6.2026 – 2:45Uhr – es tobt ein schweres Gewitter
Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd -
Ein Schrei durch die Brandung!
Und brennt der Himmel, so sieht mans gut.
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sichs der Abgrund.
… ( aus einem meiner Lieblingsgedichte: Nis Randers von Otto Ernst) …
Von dem sonnig-heiteren Wetter des gestrigen Tages habe ich mich leider komplett einlullen lassen. Um 2:45Uhr wurden wir unsanft geweckt, weil Sturm, Regen, Blitz und Donner um das Wohnmobil tobten. Okay, ein Wrack gab es nicht, aber: auch heute Nacht ist die Markise draußen und der seitliche Windschutz ist montiert. Ich habe absolut keine Chance, die Markise schnell einzufahren. Bei den schlimmsten Böen stand ich eine gute halbe Stunde im Nachthemd draußen und habe den Markisenarm festgehalten, um ihm zusätzliche Stabilität zu gegeben. Elke hatte Sorge, dass einer der vielen Blitze in das Gestänge einschlagen könnte. Alles gut gegangen!
Die Gewitterzelle hat sich nach zwei Stunden bei uns ausgetobt und ist in Richtung Festland gezogen. Morgen früh werden wir sehen, was das Unwetter angerichtet hat. Jetzt (5Uhr) versuche ich die unangenehmen Geräusche zu ignorieren und noch ein wenig zu schlafen.
20.6.2026 – ab 9:30Uhr – das Chaos am Morgen und …
Es sah am Morgen ein wenig chaotisch aus, aber es gab keine wirklichen Schäden. Auch auf den umliegenden Plätzen war es entspannt. Nur auf dem Weg zum Bistro hörte ich eine Frau sagen: „Wir müssen nach Hause.“ Was für eine Nacht!
Vor dem Frühstück hatte ich schon die Heringe alle wieder eingeschlagen und das Sturmband, das von einer Bö fast bis zum Nachbarplatz geschleudert worden ist, wieder verzurrt. Der letztendlich doch sandige Boden hat die Heringe bei der Naturgewalt nicht halten können. Es gilt über Alternativen nachzudenken. Die Schraubheringe eines Nachbarn scheinen mir für diesen Boden besser geeignet.
Elke war das nächtliche Spektakel auf den Magen geschlagen und so kamen wir heute erst sehr spät zum Frühstück. Elke blieb am Wohnmobil (und hat noch mal eine Runde geschlafen) und ich bin nach Westerland um mir leichte Klamotten zu kaufen. Auf dem Weg dahin schauten mich an einer Stelle ganz viele Augen an: auf dem Lagerplatz der Tetrapoden, die in den Bereichen der Steilküsten zum Brandungsschutz eingesetzt werde, hat jemand Augen verteilt. Übrigens: an vielen Stellen auf der Insel kann man Minitetrapoden kaufen. An der Rezeption des Campingplatzes wurde mir gesagt, dass besonders Aquarianer begeisterte Käufer sind.
Bevor ich die Fußgängerzone von Westerland erreichte, kam ich am „Friedhof der Heimatlosen“ vorbei. Hier ist die letzte Ruhestädte für die unbekannten Seeleute, die an den Stränden von Sylt angespült worden sind. Ich erinnerte mich, dass es so einen Friedhof auch auf Amrum gibt.
Den Abend beendete der (etwas glückliche) 2:1 Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste. Das Minimalziel ist erreicht: Deutschland erreicht die nächste Runde, was der Mannschaft bei den letzten beiden Weltmeisterschaften ja nicht gelungen ist.
21.6.2026 – Torte, Kutterscholle und Verlängerung
Für mich ging es erst nochmal um das Rantumbecken, diesmal im Uhrzeigersinn. Fast immer oben auf dem unbefestigten Deich. Ab und zu knapp an den Schafen vorbei, die gerade Siesta hielten und zum Teil nicht mal zuckten. Im Bereich der Kläranlage und vielleicht auch wegen der „nährstoffreicheren“ Gewässer ein paar Wasservögel mehr, u.a. Grau-, Kanada- und Weißwangengänse. Insgesamt ist der Juni für die Vogelbeobachtung nicht optimal: die Zugvögel gen Norden sind alle durch, die Brutvögel halten fast alle schon den Schnabel und der Zug gen Süden hat noch nicht begonnen. Trotzdem gibt es fast immer irgendwas zu sehen und so hätte ich fast die Verabredung mit Elke zur Torte in der Kaffeerösterei verdaddelt. Es wurde nur eine kleine Verspätung. Und zack … die beim Radeln verbrauchten Kalorien waren schon wieder im Körper.
Für den Abend hatten wir einen Tisch im „Lekkersnuut“ reserviert, dem Restaurant des TUI Blue Sylt. Die bestellten Kutterschollen waren so riesig, dass der Kellner anerkennend nickte, als er sah, dass wir sie komplett aufgegessen hatten. Elke hatte dazu noch einen bunten Salat und ich Bratkartoffeln, von denen ich aber ganz wenig gegessen habe, sonst wäre was von der Scholle übriggeblieben, was schade gewesen wäre.
Bei uns waren es heute angenehme 20°, während das gesamte Binnenland vor Hitze stöhnt. Wir haben uns entschieden hier bis Sonntag zu verlängern und erst dann in die Wärme zu starten. Zum Glück ist der Platz noch nicht anderweitig verplant, sodass wir nicht den Stellplatz wechseln müssen.
22.6.2026 – Vogelkoje Eitum und ein Blick zurück
Vogelkojen waren lange Zeit eine sehr spezielle Art der Versorgung mit Entenfleisch. Auf dem zentralen Teich der Koje wurden zahme und flugunfähige Enten gehalten, die die überfliegenden Wildenten anlockten. Wenn sie landeten, wurden die Lockenten vom Kojenwart mit Futter in Richtung der Reusen gelockt, die Wildenten folgten, wurden von Hunden oder dem Kojenwart selbst erschreckt und flüchteten in die „Deckung“ der „Pfeifen“, aus deren trichterförmigen Anordnung es kein Entkommen mehr gab. Das Wort Koje ist aus vom niederländischen „Kooj“ abgeleitet und bedeutet Käfig, der am Ende der Pfeifen auch zu finden ist. Weitere Infos hier.
Die Niederländer hatten für diese Art der Jagd eine spezielle Rasse gezüchtet: den „Nederlands Kooikerhondje“. Auch hier führt der grüne Link zu weiteren Informationen.
Vor Jahren trafen wir auf ein Ehepaar mit einem „Kooiker“ und die sagten sofort, dass Gina ganz sicher von dieser Hunderasse abstammt. Und … da ist sie wieder präsent. Einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb hatte sie aber glücklicherweise nicht. Und, wie das nachfolgende Foto von 2022 zeigt: Wasser gerne, aber nur bis zum Bauch. Also Enten jagen … begrenzt!
Am Abend hatte Elke Hunger auf Pizza, die ich vom Restaurant Mare geholt habe. Die eine Pizza war groß und gut belegt. Dass wir sie aber nicht aufgegessen haben, lag auch daran, dass wir den knusprigen Rand heute nicht unter dem Tisch verschwinden lassen konnten.
23.6.2026 – der Strand muss weiter warten
Es ist eine traurige Wahrheit: das Fehlen von Gina belastet unsere Tage sehr. Den einen Tag trifft es Elke mehr und am anderen mich. Heute stand Elke schon beim Frühstück das Wasser in den Augen und der Tag war für sie gelaufen, auch das letzte bisschen Antrieb schon im Keim gelöscht.
Mich hatte es schon zur „Wolfsstunde“ kurz vor drei Uhr aus dem Bett gerissen. Manchmal muss es sein, um einen unschönen Traum nicht fortzusetzen. Und es gab ja auch zu tun: den Reisebericht ergänzen, Post für ein paar liebe Menschen schreiben, die Heimreise planen.
Apropos Menschen und Post: nach dem Frühstück bin ich nach Westerland gefahren um einzukaufen und einen Briefkasten zu finden, der heute noch geleert wird. Bei den ersten 3 Briefkästen war die Leerung angeblich schon vorbei. Dann sah ich einen Briefträger, befragte den und erfuhr, dass die angegebenen Zeiten der Beginn der Leerungsrunde ist. In diesem Moment sah er einen weißen Kleintransporter und sagte. „Dort wird gerade geleert. Beeilen sie sich.“ Als ich bei dem Wagen ankam, war der „Leerer“ gerade wieder eingestiegen. Den offenen Briefbeutel neben sich, das Fahrerfenster auf. Als ich ihn bat, meine Post auch noch mitzunehmen, lehnte er das brüsk ab und forderte mich auf, die Post gefälligst in den Briefkasten zu stecken. Dann fuhr er los. Ich rief ihm noch hinterher: „Ihnen dann noch einen scheußlichen Tag!“ Auch nicht nett und danach fiel mir ein, dass es solche Idioten geben muss, um die netten Menschen noch besser schätzen zu lernen.
Auf dem Campingplatz haben die Ameisen entdeckt, dass es auf unserem Campingtisch immer ein paar Leckereien gibt. Ein Tischbein ist der Weg ins „Restaurant“. Auch interessante Studienmöglichkeiten, sozusagen „en Passant“. Okay, ohne Vorbeigehen und bei einem leckeren kühlen Bierchen. Und genau damit begann ein kleiner Versuch: werden die Ameisen das Bier finden, davon trinken und danach torkeln? Ergebnis: Ja und ja und nein! Vielleicht sind bei besoffenen Ameisen die sechs Beine hilfreich. Okay, bei mir müssen auch weiterhin zwei Beine reichen.
Am Nachmittag haben wir zum ersten Mal in diesem Urlaub … nein …zum ersten Mal in diesem Jahr den Grill angeworfen. Elke liebt die Grillerei mehr als ich und es hat sie ein wenig mit dem Tag versöhnt.
24.6.2026 – der nächste Tag
Jawoll, heute kam ich nicht aus dem Quark. Elke hatte am Abend die Fenster geschlossen, weil ihr in der Nacht davor kalt war. Ist natürlich auch ihrer Herzerkrankung geschuldet. Wegen der Wärme im Womo erwachte ich schweißnass und nach dem Frühstück haben wir uns noch mal zwei Stündchen bei offenen Fenstern lang gemacht und geschlafen. Danach kam der Teil des Grillens, den ich besonders nicht mag: das Spülen der fettigen Utensilien. Aus der Spüle flog ein Nachtfalter ab, den ich an der Hauswand wieder fand (sehr kooperativ!): eine Hausmutter … was auch sonst. Habe ich mir nicht ausgedacht!!!
Abends gab es für mich noch eine Kurzexkursion zur Bank mit dem Blick auf das Rantumbecken (die Fotoseite nicht vergessen!). 19Uhr bei 23°, Sonne im Rücken und einem leichten Wind. Aus der Heimat lesen wir von 31° - das bleibt uns noch für ein paar Tage erspart. Nach einem Telefonat mit der Fährgesellschaft ist klar, dass wir am Sonntag um 13:30Uhr Sylt verlassen. Auf meine Mailanfrage von vorgestern gab es bis heute keine Antwort und auch keine Entschuldigung des Mitarbeiters. Morgen ist ein neuer Tag – auch für Elkes ersten Strandspaziergang.
25.6.2026 – der eigentliche Abreisetag
Während im ganzen Rest von Deutschland die Menschen kaum wissen, wo sie ein kühles Plätzchen finden können (heute wurden Temperaturen bis zu 40° gemeldet), konnte ich auf meiner Einkaufstour mit dem Fahrrad nach Westerland durchaus das dünne Sommerjäckchen gebrauchen. Und am Abend saßen Elke und ich tatsächlich einige Minuten in der Sonne, weil es im Schatten der Markise und bei dem leichten Wind kühl wurde.
Die ersten 2km Richtung Westerland bin ich auf dem Deich des Rantumbeckens gefahren, um wenigsten ein paar Vögelchen zu sehen. An einer Stelle flog laut schimpfend ein Rotschenkel von der Deichkrone hoch, setzte sich in einen nahen Busch und krakelte weiter. Da ich Jungvögel auf dem Deich vermutete, die bei den Watvögeln ja extrem gut getarnt sind, bin ich vom Rad abgestiegen und habe vor jedem meiner Schritte den Boden abgesucht. Die Jungen, wenn überhaupt welche da waren, müssen eher am Deichfuß gesessen haben. Der Altvogel ließ mich jedenfalls die ganze Zeit nicht aus den Augen.
Aus dem Gang am Strand zur „Strandmuschel“ in Rantum wurde auch heute nichts. Elke hatte eine kurze Attacke ihrer Augenmigräne und wollte lieber am Platz bleiben. Natürlich hätte ich auch alleine gehen können, habe mich aber dagegen entschieden und stattdessen eine bunte Gemüsepfanne mit Lachs gezaubert. So kam in diesem Urlaub auch noch meine alte Paellapfanne zum Einsatz. Was den Gesundheitsaspekt des Essens angeht, hätte die mediterrane Küche der Strandmuschel sich sehr anstrengen müssen, mich zu übertreffen.
Von dem jämmerlichen Fußballspiel der Nationalmannschaft habe ich nur noch die erste Halbzeit geguckt und somit das Ende der 2:1 Niederlage nicht mehr mitbekommen. Ich war einfach zu müde um bis Mitternacht Fernsehen zu gucken.
Morgen soll uns ein Ausläufer der Hitze erreichen, allerdings bei 26 oder gefühlten 28°. Der Strand bei Hörnum soll es morgen sein – schauen wir mal.
26.6.2026 – mein Ausflug nach Hörnum
Jawoll … Hörnum wurde erreicht! Aber nur von mir. Bei der Wärme am Morgen und der derzeitigen depressiven Verstimmung hat Elke sofort wieder für alle Aktivitäten eingepasst. Was will man machen!?!
Auf dem Hinweg hatte ich den Wind von vorn und war froh, dass das Bike Unterstützung gab. Beobachtungsplätze habe ich mir für den Rückweg aufgehoben. Es gibt übrigens zwei Radwege: einen asphaltierten entlang der Landstraße und einen Kiesweg am Wattenmeer. Letzteren nahm ich und war relativ allein unterwegs. Das Gros der Radler will rollen. Trotz des Autoverkehrs nebenan. Und manch einer bog vor Hörnum nach „Sansibar“ ab.
Das Fahrrad habe ich im Hafen von Hörnum stehen lassen und den unbefestigten Helm im Korb. Vorab: meine leichte Hoffnung, den Helm könnte jemand gebrauchen … hat sich nicht erfüllt.
Dann habe ich einmal die Südspitze von Sylt umwandert, immer hart am Spülsaum und festgestellt, dass seit dem Urlaub mit den Kindern vor rund 45 Jahren viel Strand verloren gegangen ist. Nun versucht man diesen Teil der Insel mit hunderten Tetrapoden zu sichern. Kein Strandschmuck, aber es muss wohl sein!
Der gesamte Küstenbereich vor Sylt von Hörnum bis List ist als Kinderstube der Schweinswale Schutzgebiet. Ich hatte heute keine Sichtung, aber der Sohn eines Freundes, der mit seiner Tochter zurzeit auf dem Campingplatz von Westerland Urlaub macht, hatte Schweinswale nahe des Strandes.
Auf dem Hinweg bedeckte die Flut das Watt – auf dem Rückweg war Ebbe. Die Watvögel machten an einer Stelle besonders Alarm und ich sah am Spülsaum einen Wanderfalken, der sein Opfer rupfte. Allerdings nicht ungestört, denn es flogen die Möwen ständig Attacken auf den Greifvogel. All das zu weit entfernt für ein Foto mit der neuen Kamera.
27.6.2026 – einpacken und ein Ende mit Getöse?
Es war klar: heute ging es in erster Linie um Abbau der Campingaccessoires und Vorbereitung der Abreise. Erstmal gemütlich frühstücken, ein paar Spielchen und … da kam das erste Gewitter des Tages. Das Zentrum der Zelle zog südlich von uns vorbei, aber der Randbereich, der uns traf, reichte auch. Zum Glück hatte ich die Windfänger schon demontiert, sodass ein wenig nachzurren der Sturmbänder für die Böen der ersten Front des Tages reichten.
An den Türen der Sanitärgebäude hängen seit dem Vormittag solche Zettel. Nach unserer Erfahrung und meinem Außeneinsatz am Gestänge der Markise vor einer Woche, sind wir geneigt, die Warnung ernst zu nehmen. Nachdem die Markise, Möbel etc. abgetrocknet waren, wurde großflächig aufgeräumt. Und dann … geschlafen.
28.6.2026 – harmlose Nacht, Kampener Vogelkoje und Abreise
Vor einer Woche ein Unwetter ohne Vorwarnung und diesmal … eine Vorwarnung (fast) ohne Unwetter. Ja, es hat geplästert und die Blitze erleuchteten ein Stunde den Himmel, aber eigentlich zogen die Gewittercluster alle südlich an uns vorbei und tobten sich dann am Festland aus.
Am Morgen war der Stellplatz schon wieder weitgehend abgetrocknet, gefrühstückt haben wir aber mit Blick auf die Wolken doch lieber im Womo. Abreise vom Platz kurz vor 11Uhr, der vorgeschriebenen Zeit. Wenige Minuten später standen wir im ersten Stau der Rückreise. Aus allen Quartieren strömten die Menschen in Richtung Autoreisezug oder, wie wir, in Richtung List, um Sylt per Fähre zu verlassen. Mittelhochtiefes Chaos bis wir den Parkplatz von Familia erreichten, wo wir sowieso noch einkaufen und vor allem das zahlreiche Leergut von den vielen Sixpacks des Urlaubs loswerden wollten. Hat sich gelohnt! ;-)
Es blieb danach noch genug Zeit für eine kurze Runde durch die Kampener Vogelkoje. So bekam Elke doch noch ein besonderes Stück von der Insel zu sehen. Sie zuckte kurz, als wir je 5€ Eintritt zahlen mussten, sah dann aber ein, dass die gesamte Anlage in Stand gehalten werden muss. Im urwaldähnlichen Erlenbruchwald gelang mir, was eine Leserin des Reiseberichtes schon angemahnt hatte: ein Foto mit der neuen Kamera, auf dem Elke lächelt. Das Lächeln verging ihr aber im Kojenwärterhaus, wo das Ringeln der Enten (so nannte man das Halsumdrehen) sehr plastisch gezeigt wurde.
Die gebuchte Fähre nach Rømø verließ pünktlich den Hafen von List. Mit an Bord viele Porsche in allen Altersklassen, denn am Wochenende gab es ein Treffen auf Sylt.
An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf die zum Reisebericht gehörende Fotoseite. Dort z.B. auch ein Foto von der Wartezone und den schicken Autos. Einen Porsche sahen wir später auf dem Festland und den Fahrer mit einem Ölkanister daneben. Weniger schön!
Ohne Probleme erreichten wir den schönen Stellplatz in Tönning mit Blick auf die Eider. Der Platzwart erzählte, dass dort die Unwetter der Nacht sechs Markisen den Garaus gemacht haben. Komplett! Da sind wir ja noch mal glimpflich davongekommen.
Im benachbarten Restaurant „Zum Alten Anleger“ haben wir gut gegessen und freundlicherweise waren im Watt der Eider ein paar Löffler auf Nahrungssuche. Elke hat sie übrigens zuerst entdeckt. An dem Bewegungsablauf beim Durchseien des Wassers erkannt! Super!
29.6.2026 – Weiterfahrt zum Dümmer See mit Hindernissen
Heute Morgen ging es für mich zuerst in den Ort um die Bargeldbestände aufzufrischen und endlich wieder frische Bäckerbrötchen zu holen. Als ich die Sparkasse sah, fiel mir ein, dass ich zwar mein Smartphone und meine Kamera eingesteckt hatte, nicht aber das Portemonnaie mit den Bankkarten. Zum Glück habe ich meist einen 20€ - schein in der Handyhülle, sodass ich die Brötchen holen konnte.
Den Stellplatz muss man am Abreisetag bis 12Uhr verlassen, was so eben geklappt hat. Aus Tönning raus waren wir damit noch lange nicht. Als wir die Ortsstraße erreichten, gab es ein regelmäßiges Rumpeln, als wenn wir über eine Holperpiste fahren würden. Platten? Also rechts ran und schauen. Nee, alle Reifen sahen normal aus. Ein paar hundert Meter sind wir noch gefahren, dann kam kurz vor der Bundesstraße ein kleines Gewerbegebiet und daselbst sahen wir eine fette Reklame: Rundum – Autoservice. Also hin. Aber der Chef hatte auf Service mal gerade überhaupt keine Lust und war nicht mal bereit, sich die Reifen anzugucken, sondern schickte uns zu einem Kollegen auf der anderen Seite von Tönning. Der kürzeste Weg dorthin führte dann doch über die Bundesstraße 202. Je schneller ich fuhr, desto kürzer die Rumpelsequenzen. Elke wurde leicht hektisch. An der nächsten Abfahrt raus und sofort auf einen großen REWE-Parkplatz. Diesmal standen bei der Kontrolle die Reifen anders und ich sah den Rumpelmax: ein fettes Stück Bitumen mit diversen Steinchen pappte fest im Profil. Müssen wir vom Stellplatz mitgenommen haben. Während ich mit einem Hering den gröbsten Teil mit Mühe entfernen konnte, bemühte Elke die KI. Dort wurde für einen solchen Fall genau das empfohlen: Abpulen so gut es geht und danach zügiges Fahren auf einer sauberen Straße. So wurde es gemacht.
Durch den Zeitverlust kamen wir erst gegen 13:30Uhr an der Fähre in Glückstadt an. Genaugenommen nicht an der Fähre, sondern am Ende des Staus rund 2km vor dem Fähranleger. Keine wirkliche Ausweichmöglichkeit mehr und auf der Strecke zwischen unserem „Parkplatz“ und dem Anleger kamen noch zwei Straßen mit vielen Autos von rechts und links. Machen wir es kurz: es hat rund 3 Stunden gedauert, bis wir endlich auf die Fähre rollten. Für Elkes Geduld eine harte Prüfung und als dann noch PKWs zum Füllen der Lücken zwischen den größeren Autos per Motorroller aus der Schlange an uns vorbeigelotst wurden … … … .
Der nächste Teil des kleinen Tagesdramas war dann, dass wir keine offene Gaststätte fanden, um vor der Weiterfahrt etwas zu essen. Es lag eh nicht viel am Weg und es war Montag, bei vielen traditionell der Ruhetag. Der McDoof in Varel – wegen Renovierung dicht.
Die einzige Raststätte „Huntetal-West“ an der A29, die laut Google-Maps 24 Stunden offen ist, sollte uns retten. Gilt für die Tankstelle, aber das Restaurant ist dauerhaft geschlossen. Ein netter Fernfahrer gab uns den Tipp, dass an der Ausfahrt Cloppenburg an der A1 der Autohof Hoyer von allen Fernfahrern wegen der netten Bedienung, dem Biergarten und dem guten Preisleistungsverhältnis besonders beliebt ist. Als wir dort ankamen, gab es dort auch McDoof und Elke konnte ihre Lust auf einen Burger stillen.
Kurz nach 21Uhr kamen wir auf dem neuen Wohnmobilstellplatz Olgahafen in Dümmerlohausen bei untergehender Sonne an, machten uns ein Bierchen auf und warteten auf das Spiel der Nationalmannschaft gegen Paraguay.
Es wurde das letzte Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei dieser WM, denn nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit und der Verlängerung beendete Tah die Expedition WM mit einem kapitalen Fehlschuss im Elfmeterschießen: Rückenlage beim Abschuss und ab mit dem Ball in die Wolken. Zwei Dinge möchte ich dazu anmerken: 1. Keine Fußballnachtschichten mehr und 2. Diesmal verlieren wir nicht gegen Frankreich. ;-)
30.6.2026 – Rückfahrt nach Essen
Mit ausreichend leckerem Fisch von Aal-Hoffmann (Räucheraal, Räucherlachs und Matjes) sind wir rechtzeitig gestartet, um noch vor 12Uhr tanken zu können. Trotz langer Schlange vor den Säulen und einem LKW der 465l Diesel tankte hat es geklappt: 1,719€. Heute steigt der Preis gleich doppelt, denn neben der Tageserhöhung um 12 läuft heute ja auch der Tankrabatt der Bundesregierung aus und der Preis steigt an den nächsten Tagen sich wieder über die 2€-Marke.
Heute war die Fahrt komplett entspannt und schon vor 15Uhr kamen wir in die mit 24 ° wunderbar kühle Wohnung.
Vielen Dank für das Interesse an diesem Reisebericht.