Ein Brief an Gina
von Uwe van Hoorn
Nachruf
Liebe Gina!
Vor 5 Wochen mussten wir dich, unsere geliebte Begleiterin der letzten zehn Jahre, schweren Herzens gehen lassen. Die Trauer wird uns sicher noch lange Zeit begleiten und es wird immer wieder Situationen geben, wo uns die Tränen kommen.
Du warst in all den Jahren immer da, ob daheim oder auf Reisen, Tag und Nacht. Wir wurden morgens von dir geweckt und stand ich dann endlich auf, hast du dich wieder hingelegt. Erste Aufgabe des Tages erledigt!
Erst am Mittag, wenn auf der Küchenuhr der Pirol sang, fordertest du nachdrücklich den ersten Gassigang des Tages ein, indem Du mit dem Vogel um die Wette gesungen hast. Nun zucken wir zusammen, wenn der Pirol singt.
Jetzt müssen wir bei allen Mahlzeiten ALLES alleine essen. Keine Fellnase die unter dem Tisch ihren Anteil fordert, egal ob den Finger voller Müsli, den Rand der Pizza, das zähe Stück Fleisch, die Gräte vom Aal,… oder was auch immer.
Wenn uns nun etwas herunterfällt (wie jüngst der Becher Creme fresh) müssen wir mühsam aufwischen, was du mit sichtbarer Freude spurlos beseitigt hättest. Deine Freude an all diesen kleinen Dingen des Lebens, sie fehlt uns täglich.
Aber du konntest auch ganz anders sein. Schon am Morgen mit traurigem Blick und in dich gekehrt. Kurzzeitig verloren in irgendwelchen alten Erinnerungen aus Deiner Zeit als Straßenhund in Griechenland und manchmal sicher auch, wenn dich die von dort mitgebrachten Leishmanien gequält haben.
Wir wussten, dass diese Krankheit schlimme Folgen haben konnte und sind sicher, dass du in den zehn wundervollen gemeinsamen Jahren gegen den Ausbruch der Krankheit gekämpft hast. Wahrscheinlich bis es einfach nicht mehr ging.
Dabei warst du meist so ein fröhlicher Hund, dessen perfekte Kusselköpfe jeden zum Strahlen brachten. Du bist mit deinen Hundefreunden voller Lebensfreude durch die Bäche und über die Wiesen getobt, dass einem das Herz aufging. Wir hoffen, dass in dem Hundeparadies, wo du jetzt sicher bist, es auch so ist.
Und ging es uns mal nicht gut, dann hattest du dafür ein sicheres Gespür. Deine Schnauze auf unseren Knien, der Pfotenstoss als Kuschelstart oder der warme Blick aus den Hundeaugen, wir merken all das immer noch.
Wir müssen lernen damit zu leben, dass uns kein schwanzwedelnder Hund mehr nach dem Einkaufen begrüßt, die Türklingel nicht mehr verbellt wird, Spaziergänge ohne dich stattfinden müssen und Urlaube eine völlig andere Struktur bekommen. Es ist schwer, wir haben es in den Wochen auf Sylt gemerkt und auch das „nach Hause kommen“ ist anders.